Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz

Gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz – was ist das und wie funktioniert sie?

Inhalt

Konflikte am Arbeitsplatz sind oft unumgänglich. So kann ein Konflikt entstehen, wenn etwa die Rollen im Unternehmen nicht klar verteilt sind und somit Aufgaben unter den Tisch fallen. Oft suchen die Parteien dann eine*n Verantwortliche*n. Auch gibt es Fälle, in denen die Werte einer anderen Person im Unternehmen so gar nicht mit den eigenen übereinstimmen und sich dadurch eine Zusammenarbeit schwierig gestaltet. 

Wie können wir solchen Meinungsverschiedenheiten auf sozialverträgliche Weise begegnen? Eine Antwort darauf kann die gewaltfreie Kommunikation sein.

Was ist gewaltfreie Kommunikation?

Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation wurde ursprünglich von Psychologe Marshall B. Rosenberg eingeführt. Laut Rosenberg stehen vor allem die Art und Weise des Sprechens und der empathische Kontakt zu meinem Gegenüber im Mittelpunkt. 

Gewaltfreie Kommunikation ermöglicht eine neue bewusste Art und Weise, wie wir uns ausdrücken und anderen zuhören.

Wie funktioniert gewaltfreie Kommunikation?

Hinweis: Viele Menschen werden auf diesen Prozess erstmal mit einem „Nichts darf man mehr sagen“ oder „Hört doch auf immer so emotional zu sein“ reagieren (Achtung, das ist eine Mikroaggression). Oft braucht das Umsetzten von gewaltfreier Kommunikation viel Geduld und Zeit.

Nehmen wir an, ein Kollege fragt dich sehr bestimmt: “Bist du jetzt endlich fertig mit der Aufgabe?” Anstatt direkt aus der Haut zu fahren und eine patzige Antwort zu geben, könntest du mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation antworten: 

  1. Observation (wertfreie Beobachtung)

Halte einen Moment inne. Was passiert gerade in dieser Situation? Was hat dein Gegenüber auf der Sachebene (keinerlei Interpretation) gerade gesagt? Was siehst du gerade? Nimm alles um dich herum wahr, ohne es gleich zu bewerten. Der erste Schritt ist sehr hilfreich, um einen Überblick über die Situation zu bekommen und etwas Distanz zu gewinnen.

So geht’s: In unserem Beispiel könnte das so klingen: Mein Kollege hat mir gerade eine Frage gestellt. Dabei ist er von seinem Stuhl aufgestanden und hat sich in meine Richtung gelehnt. Du kannst sagen, was du siehst, aber nicht was du denkst. Phrasen wie “Was ich höre, ist…” oder “Ich sehe, du möchtest…” können hier hilfreich sein. 

  1. Feelings (Gefühle wahrnehmen)

Mache einen kleinen Check-in mit dir selbst. Wie fühlst du dich gerade und wie fühlt sich dein Körper an? Hier helfen Ich-Botschaften: “Ich fühle mich verärgert, weil…”, “Ich bin müde, weil…” oder “Wenn das passiert, fühle ich mich…”. Benutze am besten Adjektive, die deine aktuelle Empfindung beschreiben, nicht das, was andere ausgelöst haben. Begriffe wie “unter Druck gesetzt” oder “nicht gehört fühlen” behindern eher gegenseitiges Verständnis, können aber natürlich je nach Situation auch angebracht sein.

So geht’s:: In unserem Beispiel könnte es so etwas sein wie: “Wenn ich solche Formulierungen höre, fühle ich mich genervt und verärgert.” 

  1. Needs (Bedürfnisse)

Gefühle sind meist ein guter Indikator für ein nicht erfülltes Bedürfnis. Was brauchst du, damit es dir besser geht?

Ein Beispiel wäre: “Die Arbeit ist für uns alle aktuell sehr stressig! Weil mir mein Wohlbefinden wichtig ist, brauche ich gegenseitiges Verständnis.”

  1. Requests (Bitte zur Bedürfniserfüllung äußern)

Du kennst nun deine Gefühle und auch das Bedürfnis, welches nicht erfüllt ist. Jetzt ist es an der Zeit, dass du dafür sorgst, dass dieses Bedürfnis erfüllt werden kann. Da du dir meistens etwas von einer anderen Person wünschst, ist es sinnvoll auch die Gefühle und Bedürfnisse deines Gegenüber zu berücksichtigen. Deswegen kann es helfen, deine Bitte möglichst flexibel zu stellen mit Aussagen wie “Ich habe mich gefragt, ob…” oder “Wäre es in Ordnung für dich, wenn…”

How to: In unserem Beispiel wäre es vielleicht so etwas wie: “Wäre es für dich in Ordnung etwas geduldiger mit mir zu sein, damit wir uns alle bei unserer Arbeit wertgeschätzt fühlen können?“.

Fazit – Warum gewaltfreie Kommunikation am Arbeitsplatz wichtig ist

Gewaltfreie Kommunikation sorgt für einen wertschätzenden und empathischen Umgang am Arbeitsplatz. Dieser ist wichtig für eine produktive und möglichst konfliktarme Zusammenarbeit. Mit gewaltfreier Kommunikation können alte Kommunikationsmuster aufgebrochen werden, wie zum Beispiel sich durch Rechtfertigungen selbst zu verteidigen oder ein kompletter Rückzug aus dem Konflikt. Mit gewaltfreier Kommunikation wird gegenseitiges Verurteilen verringert und Wertschätzung sowie das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Perspektiven gefördert.

Zunächst benötigt dieser Prozess aktives Reflektieren und Nachdenken. Irgendwann geht diese Art von Kommunikation jedoch ganz von alleine.

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Quellen

The Center for Nonviolent Communication | Center for Nonviolent Communication. (n.d.). The Center for Nonviolent Communication. https://www.cnvc.org/ 

goodjobs. (2019, 2. Mai). Gewaltfreie Kommunikation im Job – mit Empathie zum Erfolg! | GoodJobs. https://goodjobs.eu/blog/article/gewaltfreie-kommunikation-im-job 

Goldman, R. (2021, 19. August). Nonviolent Communication in the Workplace. LinkedIn. https://www.linkedin.com/pulse/nonviolent-communication-workplace-robert-goldman 

Power Up Your Team with Nonviolent Communication Principles. (n.d.). First Round Review. https://review.firstround.com/power-up-your-team-with-nonviolent-communication-principles

Ritter, S. (2018). Gewaltfreie Kommunikation im Beruf. Management Circle. https://www.management-circle.de/blog/gewaltfreie-kommunikation-im-beruf/