Realistic Jobpreview: Vorstellungsgespräch zwischen zwei, am Tisch sitzenden Frauen

Realistic Job Preview: Ehrliches Erwartungsmanagement im Recruiting

Inhalt

Das Bewerbungsgespräch lief super. Die Erwartungen sind riesig: ein tolles Team, Struktur, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Tätigkeit, die Spaß macht. Das klingt vielversprechend! Doch oft sieht es in der Realität dann leider ein bisschen anders aus.

Wie einer unrealistischen Einschätzung bereits im Bewerbungsprozess vorgebeugt werden kann und wie auch das Unternehmen davon profitiert, erfährst du in diesem Beitrag.

Realistic Job Preview (RJP) – Was ist das? 

Beim RJP geht es darum Bewerber:innen eine realistische Einschätzung zur zu besetzenden Stelle und auch der Organisation zu geben.

Dabei sollen nicht nur positive Informationen an die Bewerber:innen gelangen, sondern auch Themen, die aktuell im Unternehmen noch nicht so gut laufen. 

Es geht also nicht darum, die negativen Punkte des Unternehmens hervorzuheben, sondern ein authentisches und realistisches Bild abzugeben.  Dies hat ein transparentes Erwartungsmanagement zum Ziel. Die Bewerber:innen erhalten somit die Chance, ihre Erwartungen mit denen des Unternehmens besser abzugleichen.

Passen die Bewerber:innen und das Unternehmen auf Basis dieser realistischen Darstellung des Jobs zusammen, sorgt das für weniger Abbrüche im Bewerbungsprozess und stellt eine gute Voraussetzung für eine nachhaltige Zusammenarbeit dar.

Was sind die Vor- und Nachteile des Realistic Job Preview? 

Gerade im Hinblick auf die steigende Bedeutung eines guten Employer Branding befürchten viele Unternehmen, dass sie durch Realistic Job Previews wertvolle Kandidat:innen verlieren. Sie wollen hohe Personalschwankungen vermeiden. Fakt ist: Die Anzahl an Bewerber:innen sinkt tatsächlich durch RJPs. Doch RJPs stehen nicht im Widerspruch zu einem guten Employer Branding und haben eine ganze Reihe an Vorteilen:

  • Selbstselektion
  • Jobwechsel
  • Arbeitszufriedenheit und Leistung
  • Offener und ehrlicher Umgang am Arbeitsplatz

Selbstselektion

Die Anzahl an Bewerber:innen sinkt zwar, doch die Qualität der Bewerber:innen steigt. Denn aufgrund einer realistischen Einschätzung des Jobs entscheiden auch die Bewerber:innen selbst, ob sie weiter am Bewerbungsverfahren teilnehmen möchten (Selbstselektion).

Die Kandidat:innen sind besser über den Job informiert und motivierter aufgrund einer hohen Passgenauigkeit zwischen eigenen Kompetenzen und den Möglichkeiten, die das Unternehmen zu bieten hat. 

Jobwechsel

Häufige Personalschwankungen zu vermeiden, spart wertvolle Ressourcen des Unternehmens. Zwar können gerade in der Anfangsphase eines Bewerbungsprozesses Realistic Job Previews zu einer höheren Abbruchrate führen, langfristig gesehen, bleiben Mitarbeitende aber länger im Unternehmen, wenn sie im Bewerbungsprozess ein RJP erhalten haben.

Ohne RJP ist die Abbruchrate zu Beginn zwar geringer, doch verlassen Mitarbeitende das Unternehmen dann eben zu einem späteren Zeitpunkt, was zu höheren Personalschwankungen und -kosten führt.

Das zeigt, dass Bewerber:innen, die ein RJP erhalten haben, den Fit zwischen ihnen und dem Unternehmen genauer einschätzen können und sich dann zeitnah entscheiden, zu bleiben oder das Unternehmen zu verlassen. Falls dann also im Falle des Verlassens ein:e neue:r Kandidat:in gefunden werden muss, hat das Unternehmen noch nicht allzu viel investiert. Langfristig spart das Unternehmen damit Onboarding-Kosten.

Arbeitszufriedenheit und Leistung

Passen die Erwartungen zur Realität steigert das die Arbeitszufriedenheit und das Commitment zum Unternehmen. Mitarbeitende fühlen sich für ihre Aufgaben verantwortlich und erledigen diese eher.

Der Fit zwischen dem Mitarbeitenden und dem Unternehmen ist eine wichtige Voraussetzung für eine gelungene Zusammenarbeit. So geht ein hoher Culture Fit mit einer höheren Arbeitszufriedenheit einher und macht Unternehmen profitabler.

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Bewältigung stressiger Situationen

Erfahren Mitarbeitende eine realistische Einschätzung vom Arbeitsalltag im Unternehmen und von potenziellen Herausforderungen im Job, fühlen sie sich zum einen besser auf stressige Situationen vorbereitet. Zum anderen können gewisse Fähigkeiten, die zur Lösung des Problems benötigt werden, zuvor trainiert werden. RJPs sorgen vor allem dafür, dass später auftretende Herausforderungen als vorhersehbar und damit kontrollierbarer wahrgenommen werden, was Stress reduziert.

Offener und ehrlicher Umgang am Arbeitsplatz

Werden RJPs in den Bewerbungsprozess implementiert, signalisiert das eine offene und ehrliche Kommunikation im Unternehmen. Bewerber:innen fühlen sich freier in ihren Entscheidungen, da sie realistischer einschätzen können, was sie erwarten wird. Das hat zum einen positive Auswirkungen auf die Bewerber:innen, da sie sich sicherer in ihren Entscheidungen fühlen, zum anderen aber auch auf das Employer Branding des Unternehmens. Authentizität und eine offene Arbeitskultur sind vielen Bewerber:innen wichtig. 

“So sorgen RJPs auch für eine starke Arbeitgebermarke und können helfen, neue Bewerber:innen langfristig an sich zu binden.“ 

Gerade für ein gutes Employer Branding ist es wichtig, dass Unternehmen, das, was sie nach außen versprechen auch einhalten können. So sollte eine ehrliche und transparente Kommunikation nicht nur innerhalb eines Realistic Job Preview bei der Bewerbung stattfinden, sondern ein offenes und ehrliches Betriebsklima auch innerhalb des Unternehmens gelebt werden.

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Wie kann ich ein Realistic Job Preview in meinen Recruiting-Prozess implementieren?

Bei einem Realistic Job Preview werden unter anderem thematisiet:

  • Die Vision des Unternehmens
  • Die Jobbeschreibung
  • Die Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten

Doch wie genau können RJPs in der Praxis aussehen? Dabei muss ein RJP nicht nur an einem bestimmten Punkt im Bewerbungsprozess “stattfinden”, sondern kann anhand mehrerer Punkten gewährleistet werden: 

  • Format: Das Format des Job Previews sollte ansprechend sein. Ein kurzes und anschauliches Video auf der Unternehmensseite, kommt besser als ein langer, eintöniger Text. 
  • Ein typischer Tag: Wie sieht ein typischer Tag im Job aus? Welche Aufgaben erwarten den:die Bewerber:in? Wie ein typischer Tag aussieht kann bereits als Extra-Abschnitt in der Stellenbeschreibung eingefügt werden.
  • Gespräch mit Mitarbeitenden: Wird den Bewerber:innen ermöglicht mit einem derzeit angestellten Mitarbeitenden zu sprechen, können weitere Fragen zum Betriebsklima gestellt und weitere Details zum Job ausgetauscht werden.
  • Unternehmenskultur: Die Bewerber:innen sollten nicht nur zur Stellenbeschreibung passen, sondern auch zu den Werten und der Kultur des Unternehmens. Deswegen ergibt es Sinn, die Art und Weise, wie im Unternehmen gearbeitet und miteinander umgegangen wird, im Bewerbungsprozess zu thematisieren. 

Fazit

Realistic Job Previews sind ein wichtiges Tool, um einen realistischen und authentischen Einblick ins Unternehmen zu geben. 

“So können Bewerber:innen gewonnen werden, die zum Unternehmen passen und die Vision des Unternehmens langfristig vorantreiben.“

Das Argument, dass dadurch viele Bewerber:innen verloren gehen würden, lässt sich durch die Qualität und die langfristigen Vorteile entkräften. 

Eine Studie von Phillips (1998) zeigte, dass Realistic Job Previews mit geringeren Personalschwankungen und einer erhöhten Leistung einhergehen. Darüber hinaus ist RJP eine gute Möglichkeit, um die Employer Brand zu stärken (Shibly, 2019).

Unternehmen mit RJPs werden als transparenter und ehrlicher wahrgenommen, was sich äußert in einem:

  • positiven Image
  • Vertrauen
  • Wiedererkennen des Unternehmens

Natürlich kann es vorkommen, dass Mitarbeitende das Unternehmen vorzeitig verlassen: Trotzdem hinterlässt das Unternehmen einen positiven Eindruck, da es alle relevanten Informationen ehrlich und transparent kommuniziert hat. Dies wirkt sich auch darauf aus, ob ein Unternehmen als potenzieller Arbeitgeber weiterempfohlen wird oder nicht. Ein Unternehmen kann also den Bewerbungsprozess mittels eines RJP als ein zusätzliches Branding Tool nutzen, um den Bewerber:innen positiv in Erinnerung zu bleiben.  

Verwandte Artikel sind:

Quellen:

Baumann, C. (2019, 4. November). Wie beeinflusst eine Realistic Job Preview das Employer Branding? | Identcenter. identcenter.de. https://www.identcenter.de/wie-beeinflusst-eine-realistic-job-preview-das-employer-branding/

Phillips, J. M. (1998). Effects of realistic job previews on multiple organizational outcomes: a meta-analysis. Academy of Management Journal, 41, 673–690. https://doi.org/10.2307/256964 

Shibly, S. A. (2019). Mapping the holistic impact of realistic job preview- pre-recruitment phase, post-recruitment phase and marketing spillover effect. Journal of Organizational Psychology, 19, 70-78. Retrieved from https://www.proquest.com/scholarly-journals/mapping-holistic-impact-realistic-job-preview-pre/docview/2211266573/se-2?accountid=14570 

van Vulpen, E. (2021, 26. Mai). The Realistic Job Preview Explained: 5 Tips to Do it Right. AIHR Digital. https://www.digitalhrtech.com/realistic-job-preview/