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Zwopr – Das Start-up für unentgeltliche Nachbarschaftshilfe sorgt für ein neues Miteinander in München

München, 20. August 2019

München-Giesing, Samstag Abend, es klingelt an der Tür: Harry ist da. Er wohnt zwei Straßen weiter, trägt Glatze und Tattoos und hat eine alte Playstation unter dem Arm: „Die kann ich Euch später auch da lassen, wenn Ihr mir dafür kommendes Wochenende vier statt nur zwei Stunden beim Umzug helft?“ Kurzes Nachdenken – abgemacht! Harry wird heute Abend mit dem Sohnemann von Gina und Frank Playstation spielen und die Eltern haben Date-Night beim Italiener nebenan. Nächstes Wochenende helfen sie Harry dann beim Kisten schleppen.

Locationwechsel, Maxvorstadt: Lena ist neu in der Stadt und nun fehlt Ihr jemand, der ihr beim Aufbau des Kleiderschranks hilft. Salvatore aus ihrer Nachbarschaft möchte für zwei Wochen in den Urlaub fahren und sucht jemand, der seine Blumen gießt. Bei Meike – eine Straße weiter – ist hingegen die Waschmaschine kaputt und der Installateur braucht noch zwei Wochen, bis er Zeit für die Reparatur hat. Was tun? Verzweifeln? Weiterhin aus Koffern leben? Die schönen Blumen vertrocknen lassen? Nein, ganz einfach: Salvatore wird Lena beim Aufbau des Schranks helfen, dafür wäscht Lena zwei Wochen lang für Meike und diese wiederum wird die Blumen von Salvatore gießen. Das hört sich nach einem kooperativen Miteinander an und gar nicht nach der schlechten Stimmung, die in Deutschland derzeit so häufig aus den sozialen „Hate-Werken“ ins wahre Leben schwappt. Doch wie kamen Lena, Meike, Harry, Salvatore und alle anderen zusammen?

Bereits 3000 Zwopr-Mitglieder helfen in München

Zwopr (www.zwopr.com) heißt die neue Plattform für unentgeltliche Nachbarschaftshilfe, die seit März dieses Jahres bereits 3000 Erstanmeldungen in München registrieren konnte. Seit Zwopr reicht ein Blick ins Internet, um sich spontan Hilfe bei Umzug, Urlaub oder Tiersitting zu holen. Die Tausch-Wirtschaft ist online und mobil in vollem Gange. Dabei ist das Prinzip nicht neu: Weit über 300 Tauschringe und Zeitkonto-Verbünde gibt es alleine in Deutschland. Allerdings bisher ohne sinnvolle digitale Anbindung und mit jeweils kaum mehr als 100 Mitgliedern. Zwopr hingegen ist auf dem neuesten Stand der Technik als „Progressive Web App“ umgesetzt: So fühlt sich die Website des Services über alle Endgeräte hinweg wie eine App an. Auch die Zielgruppe von Zwopr ist überraschend jung, was dem modernen „Look and Feel“ und der zeitgemäßen Zielgruppen-Ansprache der Plattform zuzuschreiben ist.

Die Teilnahme bei Zwopr ist ganz einfach: Der Nutzer hinterlegt auf der Plattform, mit welcher Aktion er (oder sie) zu einer unbestimmten Zeit der Zwopr-Community einen Dienst erweisen könnte. Zusätzlich gibt er an, für welche Dinge er Hilfe benötigt. Der jeweilige Dienst wird mit Zeit verrechnet, die der Nutzer dann gegen die Inanspruchnahme des Angebots eines anderen Community-Mitglieds eintauschen kann – das kann auch zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden: durch das Ansparen von Zeit, als eine Art Zeitvorsorge. Im Klartext heißt das: Für die Hilfe beim Aufbau der Schrankwand bekommt Salvatore vier Zwopr-Stunden auf seinem Zeitkonto gutgeschrieben und für die Inanspruchnahme des Blumengieß-Dienstes bekommt er die vier Stunden wieder abgezogen. Bares Geld zahlt hier keiner – gegenseitige Hilfe auf Zeit ist die Währung bei Zwopr. Und wer weiß, ob Lena nicht in Meike eine erste Freundin in der fremden Stadt findet? Zwopr hilft nicht nur dabei, Geld zu sparen, sondern schafft auch die Möglichkeit für neue Freundschaften.

Das Zwopr-Team

Hinter Zwopr stecken die beiden Gründer Bernhard Koller und Christian Ebert aus Traunstein im Chiemgau mit zwei Mitgründern und zwei weiteren freien Mitarbeitern. Die Idee für Zwopr – abgeleitet aus dem englischen Wort „swap/swop“ für „tauschen“ – kam den beiden, weil sie mit Freunden seit über fünf Jahren eine jährlich stattfindende Charity-Veranstaltung zugunsten der Kinderkrebshilfe organisieren. Sie stellten fest, dass in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis ein erheblicher Mehrwert dadurch entsteht, wenn sie Menschen mit ihren Potentialen und Bedürfnissen im Alltag untereinander vernetzen. Bernhard Koller: „Für manche Dinge möchte oder kann man einfach weder Handwerker noch Dienstleister beauftragen. Den neuen Kleiderschrank baut man für gewöhnlich selbst auf und wer bietet Blumengießen während der Urlaubszeit schon professionell an?“ Nach einer erfolgreichen Testphase im Freundeskreis arbeitet Koller bereits hauptberuflich und Ebert den überwiegenden Teil seiner Freizeit für Zwopr. Der bundesweite Roll-out ist auch schon geplant: Es soll möglich werden, nicht nur mit der direkten Nachbarschaft zu interagieren sondern Dank des Prinzips „Tauschring“ auch zwischen den Städten Hilfe zu leisten: Peter könnte dann z. B. in München den Rasen seines Zwopr-Nachbarn mähen und die dadurch gesammelten Stunden an den hilfsbedürftigen Vater aus Hamburg spenden. Der Vater wiederum lässt sich dafür von seinem eigenen Zwopr-Nachbar bei der Gartenarbeit helfen.

So schafft Zwopr beste Voraussetzungen für wahrhaft soziales Netzwerken – ganz ohne „Hate“ sondern mit Hilfsbereitschaft und Wertschätzung. Auch die Zwopr-Gründer selbst helfen übrigens mit: Christian Ebert montiert Lampen und Bernhard Koller kann Reifen wechseln und Schränke aufbauen.